LICHTES JAMMERTAL

















WAS HEISST DAS?







Was heisst das, ein Stueck Fleisch zu sein?

Ein Klumpen, satt und schwer.

Das sind wir, ein rohes ungeschicktes Fleisch.







Es isst.

Es schlaeft.

Es begehrt,

nimmersatt und ruhlos stets.

Es will und will und will doch nicht.






In manchen Momente

sind wir sogar beseelt.

So beseelt, das es unertraeglich ist,

ein Stueck Fleisch zu sein.






Beseeltes Fleisch

schleppen und schleppen bis zum Tod.

Und dann?

Wohin damit?







Was heisst das, ein Stueck Fleisch zu sein?








WELKENDER ROSENDUFT






Alles ging schief...denn...

Uns umhuellte immer welkender Rosenduft.

Suess war die Zeit.

Heiss war die Luft.






Ein Saeugling schlief im Nebenraum-

Es wachte nicht auf.

Jeder glaubte an seinen Tod.

Es schlief und schlief. Es atmete warm.

Heb doch den Stein.

Heb ihn 

doch.                                                    






Heiss war die Luft.

Faul war die Liebe.

Suess war die Zeit.






Ich weiss-

Wir haben uns nur einmal geliebt, nur einmal.






Suess war die Zeit.

Heiss war die Luft.

Faul war die Liebe.






Im Nebenraum schlaft ein Saugling, immer noch.

Ob du es glaubst oder nicht,

Schlaeft es, das Kind wacht auf.

Die Rose wird aufbluhen,

wenn du es willst.

Heb doch den Stein.

Probier’s doch,

ein einziges mal.








DIE NACHT




Die Nacht ist gekommen.

Sie faellt auf dich, gewichtlos.

Ihr Schleier umhuellt dich, geraeuschlos.

Alles, was dem Tag gehoert, verschwindet, nahtlos.

So ruhig und geheimnisvoll ist die Nacht.

Du gehst ihr entgegen.






Der Nachtflug aber taeuscht dich.

An die Weite hast du geglaubt.

An die Freiheit.

Nirgends kannst Du erreichen in der schwerlosen Nacht.







Sie murmelt, fluestert,

unmittelbar an deiner Haut.

Nur noch vibriert sie.





Schon aufgeloest

Ist deine Haut, deine alte Wunde.

In sieben Farben glaenzt sie.

Dein Koerper spricht, blueht, glaenzt,

Glueht.

Dem gelebten Tag gerecht zu sein,

Scheint dir unmoeglich.

Keine Sprache ist hier gueltig.

In Glut verschlungen

Aechzt dein Koerper

Du weisst nicht mehr, was du begehrst.

Alles scheint dir erreichbar.

Du bist abwesend.

Oder bist du noch da?







Sprich nicht achtlos.

Heute auch fallt die Nacht auf dich.

















TAUSEND SONNE




Tausend Sonne

Deine Wonne

Dennoch fallen wir.

Deinem Blick gegenuber

Fallen wir immernoch.

Eine sonderbare Sonne.

Deine Augen.











NICHT GESEHEN







Nicht gesehen.

Es war licht gewesen,

wie ein Aug.






Ein Aug haftete auf dich,

starr im Zug.

Wessen Auge war es?

Frag dich-




Die Nacht war hell mit dir,

heller als der lichteste Tag.






Nicht gesehen.

Es war licht gewesen,

wie dein Aug.




Ein lichtes Tier geht umher.












ZUM TODE GELEGT




Zum Tode gelegt

  sind wir alle.

Die Augen werden rein gewaschen.

Dann wirst du sehen.

Erst dann wirst du sein, was du warst, was du immer sein wolltest.

Mit den durch den Blaue gegangenen Augen wirst du sehen,

  was dir verborgen blieb.

Deine Augen,

  an deinen eigenen Skeletten geblichen.







Ein Aug,

Das dir dann einzig bleibt.

Nur noch ein Auge bist du.

Damit wirst du sehen.

Dein Schrei bleibt unberuehrt, aufbewahrt.

Ein Auge zuviel oder

Ein Auge zuwenig.

Zum Tode gelegt,

  sind wir alle.








Einzig reines, einzig grausames Organ.

Das bleibt dir noch uebrig.


Ein Aug bist du.

Was bleibt, als getan und ungetan?

Was bleibt nach alledem?

Zum Tode gelegt

Ein Auge zuviel oder

Ein Auge zuwenig.


Ich habe Angst, ein Auge zu werden.







ICH WAR






Ich war grausam.

Grausam dir, den ich liebte.











An diesem Winkel.

An dem das Herz bricht,

Stehe ich schon lange.

Und weiss nicht, wohin.




















Mein Koerper wird durchsichtig.

Was hier schwer wird,

Ist mein Gewissen.

Deine Augen waren glasig.

Ich war Dir grausam,

Dir, den ich liebte.

Ich wollte dich nackter haben, als nackt.

Wollte Deine Augen.

Wollte werden, wie dein Aug.








O Rumpelstilzchen,

  reiss auch mich entwei.
















DIE NACHT IST WIEDER GEKOMMEN





Die Nacht ist wieder gekommen.




Sie faellt auf Dich.

Und umhuellt dich.

Sei sorglos-

Ein anders Gefuege.

Total anders.

Ich weiss.

Ein Aug war mir zuviel.






MANCHMAL





Manchmal.

  Also nur manchmal

  redet mein Mund wahr.



Dann bin ich leise verwirrt.

Leise verwirrt liebkose ich alle Tagen,

die licht im Leben waren.







Manchmal.

  Also nur manchmal

  luege ich mich an.



Dann  weinst du.

Deine Traenen gluehen an deinen Wangen.

Wie zerbrochen liegst du

in der Sonne, im Wind,

bist Du nur ein Schatten.






Manchmal,

  manchmal hast du Recht.

Umso verwirrter sehen wir uns an.
























Was wird hier gewogen?

Was ist noch hier gueltig?

Was hier und dort gewogen wird-

Wenn ich das wuesste-























Ich stehe unter dem blauen Himmel-


So blau war der Himmel noch nie.


Und mir gehts beschissen.


















Ein Mensch ist eine Blume.




Er streckt seine Arme

aus der Erde heraus,

waechst dem Licht entgegen,

blueht, wenn er stirbt.













AUGE AUGE DEINE AUGEN





Auge, Auge, deine Augen

glaenzten.

Wessen Auge war es,

das, auf mich haftete,

das, auf mich fiel?

Irgendwoher kam es.

Wuesste ich,

  wessen Auge es war,

  haette ich anders gelebt-







Auge, Auge, deine Augen

gluehten noch einmal.

Flammten zuletzt.

Dann gingst du.

Ich sah nur noch deinen Rucken.

Lange hoerte ich dich summen.







Auge, Auge, deine Augen

glaenzten.

Was du sagen wolltest,

verstand ich immer, wenn es zu spaet war.

Dennoch warst du immer bei mir.

Ein Auge war es mir zuviel.

Und wenn ich es noetig hatte,

war ein Auge zuwenig.







Warum?

Wer ist das,

der mich immer durchschaut, so scharf

und doch so lieb, so zart?

Wer ist es?

Wessen Auge ist das,

das auf mich haftet,

im Zug, auf der Strasse, im Trubel des Alltags?

Wessen Auge ist das,

das mich innehalten lasst?

Gegolten hat noch die alte Regel, jetzt

gilt sie nicht mehr.

Nichts zwingt mich.







Eine Alte Kirche.

So schoen, so rein.

So weit von mir.







Nur noch das Auge

  spricht.

Wessen Auge war das,

das auf mich fiel.

das auf mich haftete,

immer wenn ich dich beinahe vergass?













DIE LUFT







Ich sah eine alte Frau weinen.

Sie weinte so still.

Weinge Traenen auf ihren Wangen.

Ich weiss es nicht, warum.

Aber ich weiss

Die alten Menschen sind zaeh.

Sie weinen selten.






Ich sah eine alte Frau auf der Strasse weinen.

Was fehlt ihr?

Was macht sie traurig?

Die Menschen gingen an ihr vorbei.

Auch ich ging an ihr vorbei.

So ist das Leben.

Das ist die Welt, in der wir leben.







Heute sah ich eine alte Frau auf der Strasse weinen.

Ich weiss es nicht warum.

Aber ich weiss, dass die alten Menschen selten weinen.

Ich weiss, dass der Tod wahrscheinlich ihr naeher steht, als mir.

Kurz vor’m Tode weinte die Alte noch einmal so heftig.

Das ist die Welt, in der wir leben.

Auch du.







Hier riecht die Luft nach......Auschwitz.

Ich sah eine alte Frau weinen.

Ich ging an ihr vorbei, wie alle andere.

Taeglich sehe ich unzaehlige Menschen weinen, leiden.

Ich gehe an ihnen vorbei, wie alle andere.

Hier riecht die Luft nach ........Auschwitz.

Ich weiss es nicht warum.

Gewollt oder ungewollt,

Riecht die Luft hier nach

Auschwitz.













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